Helau!
Münster. Karneval. Böse Geister.
, Timmer Frederik

Wenn der Dom bebt und der Frühschoppen ruft

Pontifikalamt und Obergeister-Frühschoppen mit himmlischem Beistand Wenn an einem Sonntagmorgen die Glocken des St.-Paulus-Dom läuten, macht sich so mancher Gläubige gemütlich auf den Weg in die Kirche.

An diesem Sonntag allerdings hätte man sich schon früh fragen können, ob nicht heimlich Eintrittskarten verteilt wurden: rappelvoll bis auf den letzten Platz – und das ganz ohne Stehtribüne.

Der Grund für diesen ungewöhnlichen Andrang war schnell gefunden. Dr. Antonius Hamers leitete das Pontifikalamt – und bewies eindrucksvoll, dass sich Andacht und Humor keineswegs ausschließen. Zwischen Liturgie und Lebensweisheiten fanden sogar Witze ihren Platz, sehr zur Freude der Kirchenbesucher. Musikalisch unterstützt vom Chor der Fidelen Bierkutscher sowie einem Blasorchester aus Albachten, wurde nicht nur gebetet, sondern sich auch klangvoll auf die kommenden närrischen Wochen eingestimmt.

Selbstverständlich war auch die KG Böse Geister mit zahlreichen Mitgliedern vertreten. Stadtprinz Christian II. sowie das Stadtjugendprinzenpaar trugen ebenfalls dazu bei, dass dieses Pontifikalamt nicht nur würdevoll, sondern auch wunderbar kurzweilig geriet. Selten ging wohl jemand so beschwingt aus dem Dom wie an diesem Vormittag.

Von der Kirche direkt zum Frühschoppen

Nach dem geistlichen Teil folgte nahtlos der weltliche: Die neuen Obergeister Rainer Grüntgens, Mathias Kersting, Hannes Eymann, Burkhard Heuser und Stephan Leuker luden zum traditionellen Frühschoppen ein. Ziel war das 1648, hoch über den Dächern der Stadt. Dort wurde nicht nur gefeiert, sondern auch ordentlich geschlemmt – so, wie es sich für Obergeister gehört.

Ganz ohne Improvisation ging es allerdings auch hier nicht. Die Zeichnerin, die als Geschenk der Fünf die anwesenden Damen porträtieren sollte, fiel krankheitsbedingt aus. Kurzerhand wurden stattdessen Portraitfotos gemacht, die nun in liebevoller Heimarbeit gezeichnet und per Post ihren Weg zu den Empfängerinnen finden werden – Karneval kann eben auch kreativ-logistisch.

Durch den Tag führte Carsten van Straelen als Vertreter des Obergeister-Sprechers Axel Bose souverän und mit gewohnt lockerem Tonfall.

Drei Tollitäten, ein Sonntag, viele Lieder

Gleich drei Tollitäten gaben sich an diesem Sonntag die Ehre. Den Anfang machte Prinz Theo I. mit seinen Adjutantinnen. Seine Lieder rissen die Gäste mit und sorgten für breite Lächeln – teils auch schon vor dem ersten Getränk. Mit dabei war selbstverständlich erneut das Stadtjugendprinzenpaar, das seine Sessionslieder ebenso sicher wie lautstark präsentierte.

Dritter im Bunde war schließlich Christian II. mit Adjudantur. So kam es, dass man an diesem eigentlich beschaulichen Sonntag in den Gängen der Stadtverwaltung Karnevalslieder hören und Tollitäten schreiten sehen konnte – ein Anblick, der Münster nur gut zu Gesicht steht.

Als im 1648 langsam die Lichter ausgingen, war für einige allerdings noch lange nicht Schluss. Ein Teil der Gesellschaft zog weiter zur nächsten Sitzung. Das nennt man Einsatz – oder schlicht karnevalistische Ausdauer.